Freitag, 29. Mai 2026

Grußwort für Juni 2026

Bonifatiuswerk.de

K-Frage

Stellen wir heute die K-Frage:
Was ist die Kirchensteuer?

Eine Steuer …
... die Menschen in Not hilft.

… die Gebäude instand hält.

… die die Gemeinden unterstützt.

… die organisiert und strukturiert.

… die bei Katastrophen schnell einspringt.

Kurz und gut:
Eine Mehr Wert Steuer im Glaubensabenteuer.

Quelle: Peter Schott, In: Pfarrbriefservice.de

Liebe LeserInnen unseres Pfarrbriefes, liebe Pfarreifamilie,

über Geld spricht man nicht gern. Über Kirchensteuer noch weniger. Und doch gehört zur Ehrlichkeit des Glaubens auch, unbequeme Fragen nicht zu umgehen.

Viele fragen: „Warum braucht die Kirche eigentlich Kirchensteuer?“
Die Gegenfrage lautet vielleicht: „Was würde fehlen, wenn es sie nicht gäbe?“

Kirche finanziert nicht nur Mauern und Verwaltungen. Sie ermöglicht konkrete Hilfe: Kindertagesstätten, Beratungsstellen, Jugendarbeit, Hospizbegleitung, Unterstützung für Bedürftige, Hilfe in Krisen und Katastrophen. Vieles davon geschieht leise, oft selbstverständlich – und oft dort, wo andere längst nicht mehr zuständig sein wollen oder können.

Provokant gesagt: Manche Aufgaben, die heute kirchliche Einrichtungen tragen, müssten eigentlich vom Staat übernommen werden. Denn Einsamkeit, Armut, Krankheit und menschliche Not verschwinden nicht dadurch, dass man Zuständigkeiten diskutiert.

Das erleben wir auch ganz konkret hier in unserer Pfarrei. Unsere drei Kindertagesstätten leisten Tag für Tag hervorragende Arbeit. Dort werden nicht einfach Kinder „betreut“. Dort wird zugehört, getröstet, gefördert, gelacht und manchmal einfach nur ausgehalten, wenn Familien an ihre Grenzen kommen.

Ich denke etwa an Situationen, in denen Erzieherinnen morgens sofort spüren: Heute stimmt etwas nicht. Da braucht ein Kind mehr Nähe, mehr Aufmerksamkeit, vielleicht einfach jemanden, der da ist. Diese Zeit, diese Geduld und diese Menschlichkeit lassen sich nicht in Tabellen berechnen. Aber sie prägen junge Menschen oft ein Leben lang.

Natürlich sehen viele Menschen kritisch auf die Kirche. Und ja: Es wurde vieles falsch gemacht, manches wird auch heute noch falsch gemacht. Vertrauen ist verletzt worden. Darüber darf man nicht hinweggehen.

Und dennoch wäre es schade, wenn am Ende nur noch gerechnet würde: Was spare ich, wenn ich gehe? Denn mit der Kirche verschwinden nicht nur Strukturen. Oft verschwinden Orte der Menschlichkeit, der Begleitung und des Glaubens.

Ich möchte niemandem ein schlechtes Gewissen machen. Entscheidungen muss jeder Mensch selbst verantworten. Und bei einem „Austritt“ verliert man auch nicht automatisch seinen Glauben. Aber vielleicht lohnt es sich, vor einer solchen Entscheidung nicht nur auf Zahlen zu schauen, sondern auch auf das, was dadurch möglich bleibt.

Kirche lebt nicht vom Geld allein. Sie lebt von Menschen, die trotz aller Fragen hoffen, mittragen und mitgestalten.

Und vielleicht ist genau das heute wichtiger denn je.

Ihr Pfarrer und Seelsorger Marco Gabriel