Donnerstag, 26. August 2021

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Speyer,
liebe Priester und Diakone,
liebe Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

seit Anfang Februar dieses Jahres konnte ich krankheitsbedingt und wegen der damit verbundenen Abwesenheit von unserem Bistum mein Amt als Ihr Bischof nur in sehr eingeschränktem Maß ausüben. Grund dafür war, dass ich schon längere Zeit davor die Grenzen meiner körperlichen und psychischen Belastbarkeit immer mehr gespürt habe und mir die großen Anforderungen an das Bischofsamt angesichts der enormen Umbruchssituation, in der wir als Kirche wie auch als Gesellschaft stehen, immer mehr zur Last geworden sind. Vieles war mir in dieser Zeit der Krise unserer Kirche so sehr zu Herzen und an die Nieren gegangen, dass ich darunter krank geworden bin.

Auf dringenden ärztlichen Rat hin habe ich mich vor sieben Monaten entschlossen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen und einen längeren Klinikaufenthalt anzutreten, an den sich eine Zeit der persönlichen Regeneration und geistlichen Besinnung mit weiteren therapeutischen Maßnahmen angeschlossen hat.

All das hat viel mehr Zeit erfordert, als ich mir am Anfang gedacht und innerlich zugestanden hatte: Eine Zeit, die für mich nicht einfach, aber notwendig war. Eine Zeit, in der mir sowohl meine Schwächen und Grenzen als auch meine Stärken und Kraftquellen wieder deutlicher bewusst geworden sind. Eine Zeit, in der ich über notwendige Veränderungen in meinem Leben wie auch in der Ausübung meines bischöflichen Dienstes nachdenken konnte, ohne dass ich selbst ein anderer Mensch geworden wäre. Eine Zeit, in der ich Gottes Führung, das stille Geleit seines Geistes neu erfahren durfte, nicht zuletzt auch durch viele Menschen, die mich ermutigt und meinen Weg menschlich und geistlich begleitet haben.

In dieser Zeit ist langsam neue Kraft gewachsen, mich den Herausforderungen des Amtes noch einmal mit der mir zur Verfügung stehenden Einsatzbereitschaft und Leidenschaftlichkeit zu stellen. So hoffe ich, dass ich als Ihr Bischof auf dem Hintergrund der in der zurückliegenden Zeit erlittenen und gewonnenen Erfahrungen und Einsichten unserem Bistum mitten in den krisenhaften Umbrüchen unserer Zeit geistliches Geleit geben kann, das uns gemeinsam in der Zuversicht und Freude des
Evangeliums ermutigt. Dass in der ehrlich und demütig ausgetragenen Schwachheit auch eine große Kraft liegen kann, die „Kraft Christi“ (2 Kor 12,9), diese Erfahrung hat den Apostel Paulus existentiell so tief geprägt, dass sie zum Dreh- und Angelpunkt seiner ganzen Verkündigung wurde. Ich beginne wieder im Vertrauen auf diese Kraft.

Eine große Hilfe auf dem Weg der Genesung waren für mich die vielen Zeichen, mit denen ich in den vergangenen Monaten Ihr Geleit erfahren durfte: die unzähligen Karten und Mails, die originellen Videobotschaften und Buchpräsente und vieles andere mehr, mit dem Sie mir Ihre Verbundenheit gezeigt und gute Besserung gewünscht haben. All das hat mich tief berührt und ist mir zu einer Quelle der Kraft, der Hoffnung und des neuen Mutes geworden. Leider ist es mir nicht möglich, jeder und
jedem von Ihnen so zu antworten, wie es angemessen wäre. Deshalb auf diesem Wege ein von Herzen kommendes Vergelt´s Gott!

Mein besonderer Dank gilt Herrn Generalvikar Andreas Sturm für seine Bereitschaft, mich in den vergangenen sieben Monaten in der Leitung des Bistums zu vertreten, was er mit hohem persönlichen Einsatz und ganz in meinem Sinne getan hat. Ebenso herzlich danke ich Herrn Weihbischof Otto Georgens für die Übernahme der bischöflichen Amtshandlungen und zahlreicher Termine und Aufgaben. Danken möchte ich sodann den Mitgliedern des Domkapitels und des Allgemeinen Geistlichen Rates, die mich bei weiteren Anlässen vertreten und den Generalvikar bei seiner verantwortungsvollen Aufgabe unterstützt haben, sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren treuen und zuverlässigen Dienst in dieser alles andere als einfachen Zeit.

Mit meinem Dank verbinde ich zugleich die Bitte an Sie alle um Ihr weiteres Mitgehen und Mittragen: Um ihre Bereitschaft, mich in der Leitung des Bistums weiter zu unterstützen. Um Ihr Verständnis, dass ich in den kommenden Wochen und Monaten nicht sogleich jede Anfrage beantworten und jeden Termin wahrnehmen kann. Um Ihr Gebet für mich und unser ganzes Bistum in dieser gesellschaftlich und kirchlich herausfordernden Zeit. Und darum, dass wir uns auch weiterhin gegenseitig Geleit geben und in der Hoffnung stärken, die in der befreienden Reich-Gottes-Vision Jesu Christi gründet, die uns in der Kraft seiner Auferstehung belebt, in der Gemeinschaft des Geistes stärkt und uns zur mutigen Gestaltung der anstehenden Umbrüche, zur Erneuerung von Kirche und Gesellschaft befähigt.

Mit herzlichen Grüßen und im Gebet verbunden bin ich

Ihr
+ Dr. Karl-Heinz Wiesemann
Bischof von Speyer